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World Youth Skills Day: Neue Herausforderungen durch die Pandemie

Anlässlich des World Youth Skills Day am 15. Juli würdigen die Vereinten Nationen die Ausdauer junger Menschen während der Corona-Pandemie. Wie können sie die Kenntnisse und Fertigkeiten erlangen, die sie für den Start ins Leben nach der Pandemie benötigen?

Vier junge Mädchen sitzen mit Schreibheften vor einer Mauer in Indien.
Nicht alle hatten während der Pandemie gleichermaßen Zugang zu den nötigen technischen Mitteln für Fernunterricht. (UN Photo/ Heidi Larson)

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Nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie muss die sozioökonomische Welt neugestaltet werden. Insbesondere für junge Menschen hat die Pandemie stark Lebenseinschränkende Veränderungen mit sich gebracht – viele brauchen neue Qualifikationen und Chancen, um sich von deren Folgen zu erholen. Es ist zwar kein neues Konzept, Jugendliche und junge Erwachsene mit Strategien zur Alltagsbewältigung und berufsrelevanten Fertigkeiten auszurüsten. Doch im Jahr 2021 betont die UN dessen enorme Wichtigkeit.

Auf welche Weise sind junge Menschen von COVID betroffen?

Obwohl junge Menschen viel seltener als ältere lebensbedrohliche COVID-Symptome entwickeln, zeigen viele von ihnen Symptome von Long COVID und leiden an psychischen Erkrankungen, die auf die Pandemie zurückzuführen sind. Die OECD berichtet, dass sich die Zahl der psychischen Probleme bei den 15- bis 24-Jährigen in den meisten Ländern in den Jahren 2020-21 mindestens verdoppelt hat. Ausfälle bei der psychiatrischen Versorgung, zunehmende Einsamkeit und ein instabiler Arbeitsmarkt begünstigten diese Entwicklung. Laut OECD  ist die erhöhte Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen „sowohl darauf zurückzuführen, dass junge Menschen, die eine Beschäftigung ausüben, einem größeren Risiko ausgesetzt sind, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, als auch darauf, dass Neueinsteiger in den Arbeitsmarkt Schwierigkeiten haben, einen Einstiegsjob zu finden, weil die Einstellungsquoten sinken.“

Die Pandemie hat auch zu einem Anstieg bei der Kinderarbeit geführt. Auch verursachte sie besonders schlimme Auswirkungen für bereits zuvor prekär lebende junge Menschen, die jetzt noch tiefer in die Armut gedrängt wurden. Nach Angaben von UNICEF leben aufgrund der Pandemie etwa 150 Millionen Kinder mehr als zuvor in multidimensionaler Armut. Das bedeutet, dass sie keinen angemessenen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder Wasser haben. Diese Probleme werden sich weiter verschärfen, weil der Zugang zu Bildung und zu beruflichen Qualifikationen aufgrund der Pandemie weiter eingeschränkt ist.

Viele junge Menschen hatten im vergangenen Jahr keine Möglichkeit, wichtige Fertigkeiten zu erlernen. Aufgrund der coronabedingten Schließungen berichtete UNICEF im März dieses Jahres, dass über 168 Millionen Kinder fast ein Jahr Schulunterricht verpasst haben, vor allem in Lateinamerika und in Ländern der Karibik, da viele Schulen in diesen Gebieten seit Beginn der Pandemie geschlossen sind. Darüber hinaus haben rund 214 Millionen Kinder – jeder siebte Schüler weltweit – mehr als drei Viertel des regulären Unterrichts verpasst, während 888 Millionen Kinder weiterhin von Unterrichtsausfällen betroffen sind. Human Rights Watch berichtet, dass „schätzungsweise 90 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter weltweit durch die Pandemie in ihrer Bildung behindert wurden.“ Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche beim Erlernen von Fertigkeiten wie Lesen, Schwimmen, Autofahren oder zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu kurz kommen. Die UN haben festgestellt, dass dies den Bildungsfortschritt der letzten 20 Jahre zunichte gemacht hat.

Fernunterricht nachhaltig gestalten: Die Bedeutung digitaler Technologien

Eine von der UNESCO, der ILO und der Weltbank gemeinsam durchgeführte Studie hat gezeigt, dass seit Beginn der Pandemie Fernunterricht zur häufigsten Form der Kompetenzvermittlung geworden ist. Offensichtlich ist er eine nützliche Alternative, wenn Präsenzunterricht nicht möglich ist, aber es gibt immer noch erhebliche Schwierigkeiten, beispielsweise bei der Anpassung der Lehrpläne, der Vorbereitung der Lernenden und Lehrenden, der Netzanbindung oder den Bewertungs- und Zertifizierungsprozessen. Im Jahr 2020 wurde berichtet, dass 1,3 Milliarden Kinder im schulpflichtigen Alter – unglaubliche  zwei Drittel der Kinder im Schulalter weltweit – zu Hause keinen Zugang zum Internet haben.

Weil digitale Technologien aufgrund der Zunahme von Fernunterricht und Fernarbeit immer stärker in den Mittelpunkt des täglichen Lebens rücken, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass keine „digitale Kluft“ entsteht zwischen denjenigen, die Zugang zu Technologien haben, und anderen, denen dies nicht möglich ist. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass das World Wide Web ein sicherer Ort ist, an dem junge Menschen auf vertrauenswürdige Informationen zugreifen können. Das UN-Komitee für die Rechte des Kindes hat bei seiner 86. Sitzung mithilfe von über 700 Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis 22 Jahren aus 27 Ländern ein Dokument erstellt, das Empfehlungen zum digitalen Jugendschutz enthält. In diesem Dokument fordert der Ausschuss die Vertragsstaaten auf, mehr Klarheit über die Verwendung der persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen zu schaffen, nicht vertrauenswürdigen Informationen im Internet zu filtern und proaktive Maßnahmen zur Verhinderung von Diskriminierung zu ergreifen. Insbesondere Maßnahmen, die die geschlechtsspezifische digitale Benachteiligung von Mädchen bekämpfen sollen, werden darin hervorgehoben.

Kompetenzentwicklung in Krisenzeiten

Es ist klar, dass digitale Technologien eine wichtige Rolle bei der Neugestaltung nach einer Pandemie spielen. Aber ein nachhaltiger Ansatz erfordert Verständnis für die verschiedenen Nuancen im Leben junger Menschen und die Unterschiede zwischen ihren jeweiligen Lebensumständen. Obwohl der rasche Wechsel zum Fernunterricht während der Pandemie in der Hinsicht auf den Bildungsweg bedeutete, dass viele junge Menschen weiterhin lernen konnten, „beraubten die bereits bestehenden sozialen und digitalen Unterschiede die am stärksten marginalisierten Gruppen der Möglichkeit zu kontinuierlichem Lernen und brachten sie in die Gefahr, weiter zurückzufallen.“

Die Weltbank stellt fest, dass junge Menschen umfassende Fähigkeiten auf digitalem, kognitivem, zwischenmenschlichen und technischem Gebiet benötigen. Dazu gehören grundlegende Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten, Anpassungsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, komplexe Ideen zu verstehen, Probleme zu lösen und kritisch zu denken. Diese Befähigungen bewirken auch, dass junge Menschen in der Lage sind, zwischenmenschliche und soziale Situationen effektiv zu bewältigen, was ihnen wiederum Fertigkeiten in den Bereichen Führung, Teamarbeit, Selbstkontrolle und Zielstrebigkeit einträgt.

In Anbetracht der enormen Auswirkungen, die diese Pandemie auf die psychische Gesundheit junger Menschen hatte, ist es von entscheidender Bedeutung, Fähigkeiten wie zwischenmenschlichen Kompetenzen hervorzuheben, wenn man sich eine Gesellschaft nach der Pandemie vorstellt. Diese Fähigkeiten werden jungen Menschen helfen, sich sowohl jetzt als auch in Zukunft in den zunehmend instabilen Verhältnissen zurechtzufinden, mit denen viele von ihnen auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Letztlich geht es darum, dass sie mit Teamwork und Solidarität zwischen allen Bevölkerungsgruppen dazu beitragen können, eine bessere Welt für alle zu schaffen.

Teri Shardlow

Übersetzung: Caroline Härdter

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