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Die Vierte Weltfrauenkonferenz – 25 Jahre danach

1995, 20 Jahre vor der Formulierung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, fand in Beijing die Vierte Weltfrauenkonferenz statt, deren Ziel es war, mehr Gleichberechtigung und Chancen für Frauen zu erreichen.

Hillary Clinton, damals die First Lady der Vereinigten Staaten, hält in Beijing eine vielbeachtete Rede. (UN Photo/Milton Grant)

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Der Vierten Weltfrauenkonferenz waren drei Weltkonferenzen in den Jahren 1975, 1980 und 1985 vorausgegangen. Jede Konferenz definierte Bereiche, in denen vorrangig Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen erzielt werden sollten. Während der drei ersten Konferenzen waren dies beispielsweise Bildung, Arbeitsmarktchancen, angemessene medizinische Versorgung und die Teilhabe von Frauen in allen Bereichen menschlicher Aktivitäten, einschließlich politischer Partizipation und Entscheidungsfindung.

Auf der Vierten Weltkonferenz wurde anerkannt, dass die meisten der Ziele, die auf der Dritten Weltkonferenz in Nairobi in den Zukunftsstrategien zur Förderung der Frau festgelegt worden waren, nicht erreicht worden waren, und es wurde eine Aktionsplattform mit zwölf Schwerpunktbereichen beschlossen. Diese umfasste einige Bereiche, die bereits in den ersten drei Konferenzen als prioritär eingestuft worden waren und weitere Themenfelder wie Frauen und bewaffnete Konflikte, Gewalt gegen Frauen, Frauen und Medien sowie Mädchen. Die Erklärung und Aktionsplattform von Beijing gilt auch heute noch – anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens – als eines der fortschrittlichsten Konzepte zur Förderung der Frauenrechte.
 

Überprüfung der Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter

Im März dieses Jahres kamen Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedstaaten, UN-Einrichtungen und NRO sowie der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (United Nations Economic and Social Council, ECOSOC) zur vierundsechzigsten Jahrestagung der Kommission für die Rechtsstellung der Frau (Commission on the status of women, CSW) zusammen, um die Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Frau zu überprüfen. Auf dieser Tagung befassten sich die Teilnehmenden mit den aktuellen Herausforderungen, die die Umsetzung der Erklärung und Aktionsplattform von Beijing beeinflussen könnten, und bekundeten ihre Absicht, „zur vollständigen Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung aus geschlechtsspezifischer Sicht beizutragen“. Diese Absicht unterstreicht, wie wichtig es ist, jedes der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten zu betrachten und sich nicht nur auf SDG 5 als das SDG, das Frauen betrifft, zu konzentrieren. Dieser Aspekt ist entscheidend, um das Ziel der Teilhabe von Frauen in allen Bereichen menschlicher Aktivitäten zu erreichen.

In Vorbereitung auf die vierundsechzigste Jahrestagung wurde jeder Staat aufgefordert, eine umfassende Überprüfung auf nationaler Ebene durchzuführen, die sich mit den Prioritäten, Erfolgen, Herausforderungen und Rückschlägen auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter und zur Stärkung der Rolle der Frau in den letzten fünf Jahren befassen sollte. Im deutschen Bericht wurden aktuelle Herausforderungen, wie die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen und Entscheidungsprozessen, hervorgehoben. Gesetze wie das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG), das 2015 in Kraft trat, wurden als Beleg dafür angeführt, wie Deutschland Fragen der Geschlechterungleichheit angeht. Dem Bericht zufolge ist die Tatsache, dass Frauen in Führungspositionen und Entscheidungsfunktionen nicht vertreten sind, nicht nur an sich schon ein Problem, sondern führt auch zu anderen Aspekten der Ungleichheit der Geschlechter, wie zum Beispiel dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle. Um diese Probleme anzugehen, schreibt das Gesetz „für Aufsichtsräte deutscher Unternehmen, die börsennotiert sind oder der Mitbestimmung unterliegen, eine verbindliche Geschlechterquote von 30 Prozent vor“. Im Jahr 2018 wurde diese Quote auf 50% erhöht.

Weitere Herausforderungen, wie die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, wurden in den Bericht aufgenommen. Es wurde ausgeführt, dass das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ( Istanbul-Konvention) am 1. Februar 2018 in Deutschland in Kraft getreten ist. Die Bestimmungen der Konvention wurden in nationales Recht umgesetzt, z.B. durch die Einrichtung eines Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“, das rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr und kostenlos in 18 Sprachen zur Verfügung steht. Darüber hinaus wurde der Grundsatz „Nein heißt Nein“ umgesetzt, der besagt, dass „eine sexuelle Handlung eine Straftat ist, wenn sie gegen den erkennbaren Willen des Opfers erfolgt“.
 

Generationengerechtigkeit: Die Erklärung umsetzen

Das Poster der Weltfrauenkonferenz in Beijing, die vom 4. bis 15. September 1995 stattfand. (UN Photo)

Die Erklärung und Aktionsplattform von Beijing haben zwar wegweisenden Charakter, letztendlich trägt jedoch die kontinuierliche Arbeit an der Umsetzung dieser Erklärung in die Praxis dazu bei, die Gleichstellung der Geschlechter und das Selbstbestimmungsrecht und die Eigenverantwortung von Frauen zu fördern. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der Verwirklichung dieses Ziels, Frauen anzuerkennen, die diesen Fortschritt ermöglicht haben und auch weiterhin ermöglichen. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Erklärung und Aktionsplattform von Beijing initiierte UN Women die Kampagne „Generation Gleichberechtigung: Frauenrechte verwirklichen – für eine gleichberechtigte Zukunft“ (Generation Equality campaign). Für diese Kampagne produzierte das UN-Women-Regionalbüro für Europa und Zentralasien (UN Women Regional Office for Europe and Central Asia) u. a. die Serie "25 Frauen". In dieser Serie berichten 25 Frauen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter und die Förderung der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung von Frauen eingesetzt haben, über ihre Aktivitäten.

 

  • In dem Bemühen, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, hat beispielsweise Jonada Shukarasi, eine 16-jährige albanische Jugendliche, zusammen mit Arla Hoxha und Dea Rrozhani eine App mit dem Namen GjejZâ (Finde deine Stimme) entwickelt, die darauf abzielt, häusliche Gewalt in ganz Albanien zu bekämpfen. Sie bietet umfassende Informationen für Frauen, die unter Misshandlungen leiden. Die App bietet Unterstützung, wie z. B. Atemübungen, Notfall-Hotlines, Selbsthilfeprogramme und Informationen über lokale Arbeitsplätze und Werkstätten, die Frauen helfen können, finanziell unabhängiger zu werden.
  • Anastasiia Yeva Domani, eine 40-jährige ukrainische Trans-Aktivistin, geht gegen Gewalt gegen Trans-Frauen (und alle Transsexuellen) vor, indem sie sich dafür einsetzt, Transgenderismus in der Ukraine nicht mehr als Krankheit einzustufen. Sie hat auch bei der Erstellung einer Datenbank über trans-freundliche Ärztinnen und Ärzte geholfen und schult medizinisches Personal darin, Patienten tolerant und ethisch korrekt zu behandeln.
  • Bahar Toksoy Guidetti, eine ehemalige türkische Volleyball-Profispielerin, berichtet über die Förderung von Mädchen durch Sport. Sie konstatiert, dass Frauen in Führungspositionen im Sport unterrepräsentiert sind, weshalb sie eine Sommerakademie für Mädchen ins Leben gerufen hat. Dort können sie verschiedene Sportarten erlernen und weitere Fächer wie Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Natur studieren. Dadurch erhalten sie Zugang zu einer fundierten Weiterbildung , bei der ihre Bedürfnisse gefördert und prioritär behandelt werden. Die Schaffung von sicheren Räumen für Mädchen und Frauen und von Räumen, in denen sie lernen und sich in verschiedene Richtungen entwickeln können, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter. Dadurch werden Mädchen und Frauen auch als eigenständige Individuen in die Lage versetzt, ihren Platz in der Welt zu finden.

 

Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung existiert nun bereits seit fünf Jahren. Um das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter im Blick zu behalten und Frauen und Mädchen weiter zu fördern, ist es daher notwendig, sich an der Erklärung und Aktionsplattform von Beijing zu orientieren und das nächste Jahrzehnt dafür zu nutzen, alle SDGs vorrangig unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten zu betrachten . Gleichzeitig müssen Geschichten über die Arbeit von Frauen und Mädchen, die zur Umsetzung der Erklärungen und Resolutionen der Vereinten Nationen beiträgt, erzählt werden – um ihren Anteil in allen Bereichen menschlichen Tuns zu dokumentieren.
 

Teri Shardlow
Übersetzung: Angela Großmann

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