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Für eine solidarische Gesundheitsfinanzierung – weltweit

Um die Auswirkungen von Naturereignissen und Wirtschaftskrisen zu mindern, braucht es eine internationale Solidarfinanzierung des Gesundheitswesens. Dafür plädiert der neue Weltrisikobericht, den das Bündnis Entwicklung Hilft in Kooperation mit der Universität der Vereinten Nationen und der Universität Bonn am 4. September 2013 in Bonn vorgestellt hat. Denn die Gesundheitschancen sind weltweit höchst ungleich verteilt, und damit auch die Verwundbarkeit gegenüber Naturgefahren.

Bild: Bündnis Entwicklung Hilft

Um die Auswirkungen von Naturereignissen und Wirtschaftskrisen zu mindern, braucht es eine internationale Solidarfinanzierung des Gesundheitswesens. Dafür plädiert der neue Weltrisikobericht, den das Bündnis Entwicklung Hilft in Kooperation mit der Universität der Vereinten Nationen und der Universität Bonn am 4. September 2013 in Bonn vorgestellt hat. Denn die Gesundheitschancen sind weltweit höchst ungleich verteilt, und damit auch die Verwundbarkeit gegenüber Naturgefahren. Länder, in denen das Gesundheitsniveau niedrig und die medizinische Versorgung schlecht sind, haben ein deutlich erhöhtes Katastrophenrisiko.

Auch die Bewältigungs- und Anpassungskapazitäten der Bevölkerung spielen eine wichtige Rolle. "Länder, die sich auf Naturgefahren und die Folgen des Klimawandels vorbereiten und die dafür erforderlichen Finanzmittel bereitstellen, sind für die Zukunft besser gerüstet", betont Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft. "Bei diesen Aufgaben darf kein Staat der Welt sparen – und die Staatengemeinschaft darf die ärmeren Länder damit nicht allein lassen."

Armut macht krank – Krankheit macht arm

Thomas Gebauer von der Aktion Medico erläuterte, wie problematisch es ist, dass in den meisten Ländern die Gesundheitsversorgung an die private Kaufkraft gekoppelt ist. Wer sich eine medizinische Behandlung nicht leisten könne, habe keinen Zugang dazu. Viele Menschen müssten sich verschulden, wenn sie oder einer ihrer Familienangehörigen krank werden. Dass es oft keine Gesundheitseinrichtungen oder kein qualifiziertes Personal gibt, hängt ebenfalls am Geld. Damit alle Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, ohne in den Ruin getrieben zu werden, haben sich umlagefinanzierte Systeme bewährt. Wie wichtig sie sind, zeigt sich in den Ländern, wo es sie gibt, wenn sie nicht mehr ausreichend funktionieren, z.B. in Folge der Austeritätspolitik derzeit in Griechenland.

"Dicke Bretter bohren"

Als Ausweg aus der globalen Gesundheitsmisere schlagen Kirsten Schubert und Thomas Gebauer im neuen Weltrisikobericht eine vertragsrechtlich gesteuerte internationale Ausgleichsfinanzierung für das Gesundheitswesen vor. In einem solchen System würde man das Pooling, das innerhalb einzelner Länder bereits funktioniere, auf die globale Ebene übertragen. Es wären dann nicht mehr "Geber", die über die Entwicklungszusammenarbeit die Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern mit finanzierten, sondern der Finanzausgleich erfolge dann auf Grundlage von Rechtsverordnungen. Um ein solches System zu entwickeln, müsse man allerdings noch "dicke Bretter bohren", so Gebauer.

Der Weltrisikoindex

Der Weltrisikoindex, den das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen für den Bericht berechnet hat, zeigt für 173 Länder das Risiko, Opfer einer Katastrophe als Folge eines Naturereignisses zu werden. Eine besonders hohe Gefährdung und zugleich sehr verwundbare Gesellschaften gibt es nach dem diesjährigen Index zum Beispiel in Ozeanien, Südostasien und der südlichen Sahelzone. Am größten ist das Katastrophenrisiko mit 36,43 Prozent derzeit im pazifischen Inselstaat Vanuatu. Katar hat das geringste Risiko weltweit. Deutschland liegt mit 3,24 Prozent auf Rang 146 und damit in der niedrigsten der fünf Risiko-Klassen.

Vorbeugen hilft

"Die Stärke und Eintrittswahrscheinlichkeit von Naturereignissen lassen sich nicht verhindern, aber eine Gesellschaft kann Maßnahmen ergreifen, damit diese Naturereignisse für Menschen nicht zur Katastrophe werden", erklärt Torsten Welle von der Universität der Vereinten Nationen. "Eine Gesellschaft kann beispielsweise ihre medizinische Versorgung verbessern, um potenzielle Opferzahlen zu reduzieren oder sie kann den Zugang zu sauberem Trinkwasser für die Bevölkerung erhöhen, um die gesundheitliche Anfälligkeit zu minimieren und vor allem aber kann sie aus erkannten Schwachstellen Lehren ziehen", so Welle.

Weitere Informationen:

Weltrisikobericht 2013

Tabelle "Ergebnisse auf einen Blick"

 

Christina Kamp