Recht auf Nahrung

Ein sudanesisches Kleinkind isst einen Brei
Jeder Mensch hat das Recht auf Nahrung. (c) UN Photo/Albert Gonzales Farran

Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit von Hunger und das Recht, zu jeder Zeit Zugang zu angemessener, nährstoffreicher Nahrung zu haben oder die Mittel, sie zu bekommen. Hunger ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Abwesenheit einer ausreichenden täglichen Kalorienzufuhr, sondern auch der Mangel an Mikronährstoffen, der in Form chronischer Mangelernährung dafür sorgt, dass insbesondere Kinder in ihrer Entwicklung verkümmern und nicht ihr volles körperliches und geistiges Potential ausschöpfen können. Hunger und Unternährung sind auf der Welt extrem ungleich verteilt und in der Masse vor allem in ländlichen Regionen anzutreffen und in Südasien, Ostasien und Sub-Sahara Afrika. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen – in Deutschland auch Welternährungsorganisation genannt - (engl. Food and Agriculture Organization of the United Nations,  kurz FAO) geht von weltweit ca. 805 Millionen chronisch unterernährten Menschen im Zeitraum 2012-2014 aus. Um in der Bekämpfung von Hunger einen Schritt über die Millenium Development Goals hinauszugehen, hat die FAO 2004 Freiwillige Leitlinien zum Recht auf Nahrung herausgegeben, ein Programm, das in 19 Leitlinien die Nahrungsmittelsicherheit von Staaten verbessern soll.

Grundlage für das Recht auf Nahrung ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Artikel 25 legt das Recht auf einen gesunden Lebensstandard fest und schließt explizit Nahrung mit ein. Aber schon Artikel 3 - „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ - impliziert diese Lebensmittelsicherheit. Im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bekräftigt dann Artikel 11 das Recht auf Freiheit von Hunger. In der dazugehörigen Allgemeinen Bemerkung Nr. 12 heißt es:„das Recht auf angemessene Nahrung ist realisiert, wenn jeder Mann, jede Frau und jedes Kind, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, zu allen Zeiten physischen und wirtschaftlichen Zugang zu angemessener Nahrung oder die Mittel zu deren Beschaffung haben.“

Angemessen (engl. adequate) umfasst in diesem Zusammenhang sowohl die Verfügbarkeit von, als auch die Zugänglichkeit zu Lebensmitteln. Dabei sollen individuelle Ernährungsbedürfnisse, ob gesundheitlicher oder kultureller Natur, ebenfalls berücksichtigt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht in der Nachhaltigkeit der Ernährungssicherheit. Andere Menschenrechte sollen nicht durch ihre Sicherstellung verletzt werden und die natürlichen Ressourcen für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Dies ist einerseits Aufgabe der Staaten, andererseits auch in der Verantwortung privater Unternehmen und der Zivilgesellschaft, die in Übereinstimmung mit dem Recht auf Nahrung und unter dem Schutz der Umwelt agieren sollten.

Die Nahrungskette wird aber nicht nur durch Industrieunfälle oder vorsätzliche Umweltverschmutzungen bedroht, sondern auch durch Krankheiten und Seuchen, die von Menschen ausgehen, die unter mangelnden hygienischen Bedingungen Lebensmittel und insbesondere Tiere für den weiteren Konsum verarbeiten. Auch Kontaminierungen von Nahrungsmittelgrundlagen durch Schädlinge, wie beispielsweise Weizen, kann dazu führen, dass Lebensmittel, die zwar theoretisch in ausreichendem Maße zur Verfügung ständen, zu Lebensmittelunsicherheit führen. Hinzu kommt, dass eine unsachgemäße Nutzung von Böden und Pflanzen zu einer Verschlechterung der Nahrungsmittelsituation führen kann. Die einseitige Nutzung von Böden bewirkt zum Beispiel, dass Ernten nicht mehr ausreichen und hohe Saatgutpreise oder teure Schädlingsbekämpfungsmittel dafür sorgen, dass gerade Kleinbauern aus der Produktion aussteigen müssen. Subventionierte Importe unterbieten oft die lokalen Preise und führen in letzter Konsequenz zur Zerstörung lokaler Märkte, womit der einheimischen Bevölkerung die Möglichkeit zur unabhängigen Eigenversorgung genommen wird. Verwüstung von großen Landstrichen, Überschwemmungen oder lange Dürren leisten schließlich ihr Übriges, um die Nahrungsmittelsituation in armen Ländern zu bedrohen.

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