Migration

Weltweit leben Schätzungen zufolge 232 Millionen außerhalb ihres Herkunftslandes. Diese Menschen haben entweder freiwillig ihre Heimat verlassen, um zum Beispiel in einem anderen Land zu arbeiten, zu studieren oder mit ihrer Familie zusammenzuleben oder sie mussten unfreiwillig durch Flucht und Vertreibung ihr Land verlassen. Manche sind gar als Opfer von Menschenhandel in ein anderes Land gezwungen worden. Viele Länder wurden auf diesem Weg gleichzeitig zu Herkunfts-, Ziel- und Transitländern von MigrantInnen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) definiert Migration als die „Bewegung einer Person oder einer Gruppe von Personen, entweder über eine internationale Grenze hinweg oder innerhalb eines Staates. Es ist eine Bevölkerungsbewegung, die jegliche Art von Bewegung von Menschen, egal welcher Länge, Zusammensetzung oder Gründe umfasst; sie beinhaltet Migration von Flüchtlingen, Vertriebenen, Wirtschaftsmigrierenden und Personen, die aus anderen Gründen abwandern, einschließlich Familienzusammenführung." Diese Definition kann positive wie negative Migrationserfahrungen beinhalten. Des Weiteren benennt die IOM neben der internationalen Dimension von Migration auch die nationale, wenn beispielsweise aufgrund von Bürgerkrieg oder Naturkatastrophen Menschen zu Binnenflüchtlingen oder -vertriebenen werden (engl. Internally Displaced Persons).

So vielfältig wie die Gründe für Migration sind, so unterschiedlich ist die gesetzliche Grundlage. Während Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zwar das Recht auf Emigration festlegt, gibt es kein entsprechendes Recht, das uneingeschränkt die Immigration in andere Länder erlaubt. Einzige Ausnahmen sind anerkannte Flüchtlinge nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 und des Protokolls von 1967. Ebenso beinhaltet Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte das Recht auf Asyl. Darüber hinaus fällt die Akzeptanz von MigrantInnen aber unter die Souveränität der Nationalstaaten. Im internationalen Menschenrecht geht es deshalb zumeist darum, wie legalisierte und nicht-legalisierte MigrantInnen ihre Rechte auf Gesundheit, Nahrung, Arbeit, Wohnung und allgemeiner gesprochen, ein menschenwürdiges Dasein, wahrnehmen und wie die einzelnen Staaten zur Umsetzung dieser Rechte in die Pflicht genommen werden können. Die Souveränität der Mitgliedstaaten bleibt dennoch unangetastet und kann Migrantinnen und Migranten vor enorme Probleme stellen, wenn die Rückkehr in ihr Heimatland oder ihre -region keine realistische Option mehr ist.

Da Migration auch menschenrechtlich gesehen ein Querschnittsthema ist, findet sich die Zuständigkeit nicht mehr allein bei der IOM oder dem UN-Sonderberichterstatter für Migration wieder, sondern auch die ILO, UNESCO und UNODC sind aktiv im Migrationsprozess eingebunden. Ein Zusammenschluss von 17 UN-Organisationen und der Weltbank zur Global Migration Group trägt der Interdisziplinarität des Themas weiterhin Rechnung.