Sonderberichterstatter über moderne Formen der Sklaverei

Im September 2007 beschloss der Menschenrechtsrat mit der Resolution 6/14 die Einrichtung eines Amtes für einen Sonderberichterstatter über moderne Formen der Sklaverei, einschließlich ihrer Ursachen und Folgen. Mit der Einrichtung dieses Mandats wurde die Arbeitsgruppe über moderne Formen der Sklaverei, die seit 1975 bestand, abgelöst.

Das Amt des Sonderberichterstatters wurde mit dem Mandat ausgestattet, die heutigen Formen der Sklaverei – wie z. B. Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsarbeit, die Versklavung von Kindern, Zwangsprostitution, Zwangsehen, - umfassend zu untersuchen und darüber in Jahresberichten zu berichten. Die Sonderberichterstatterin kann sich sowohl mit der Situation in einzelnen Ländern, als auch länder- bzw. regionenübergreifend mit einzelnen Themen beschäftigen. Das Mandat dient außerdem der Aufklärung. So gehört es zu den Aufgaben er Sonderberichterstatterin, über moderne Formen von Sklaverei zu berichten, die Öffentlichkeit zu informieren und Regierungen sowie UN-Institutionen in der Bekämpfung moderner Sklaverei zu beraten. Ein weiterer wichtiger Teil des Mandats der Sonderberichterstatterin ist es, auf Meldungen von Fällen von moderner Sklaverei zu reagieren, die an sie herangetragen werden. Erhält sie glaubwürdige Informationen, z. B. von NGOs oder Einzelpersonen, kann sie Regierungen zu Klärung des Falles auffordern.

Länderberichte

Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, darf die Sonderberichterstatterin einzelne Länder besuchen, um die Situation in einem speziellen Land zu untersuchen. Dort kann sie unter anderem durch Gespräche mit Staatsangestellten, Mitgliedern der Zivilgesellschaft, Mitarbeitern der UN-Organisationen und möglicherweise mit Opfern ein umfassendes Bild über die Situation in dem jeweiligen Land erarbeiten. Es gehört dann zu den Aufgaben der Sonderberichterstatterin auf Basis der Untersuchungen spezifische Empfehlungen an die jeweiligen Regierungen zu entwickeln, die dann in den Bericht über die Situation in einem Land einfließen. Diese Berichte werden abschließend dem Menschenrechtsrat vorgelegt.

Themenberichte

Neben den Länderbesuchen gehört es zum Auftrag der Sonderberichterstatterin, spezifische Formen moderner Sklaverei - z. B. das Thema der Ausbeutung von mehrheitlich Frauen und Mädchen in Privathaushalten - intensiv zu untersuchen. Um das zu tun, prüft sie nicht nur die Situation in einzelnen Ländern, sondern erarbeitet eine Analyse des Phänomens, inklusive seiner Ursachen und Folgen in verschiedenen betroffenen Regionen. Darauf aufbauend entwickelt die Sonderberichterstatterin ebenfalls spezifische Empfehlungen dafür, wie die jeweilige Form der modernen Sklaverei bekämpft werden kann, und berät den Menschenrechtsrat in dieser Hinsicht.

 

 

Die Sonderberichterstatterin

Gulnara Shahinian sitzt am Podium im Menschenrechtsrat
Gulnara Shahinian (c) UNPhoto/Jean-Marc Ferré

Im Mai 2008 wurde die Juristin Gulnara Shahinian aus Armenien vom Menschenrechtsrat zur ersten Sonderberichterstatterin über moderne Formen der Sklaverei, einschließlich ihrer Ursachen und Folgen, ernannt.

Seitdem hat sie mehrere Berichte veröffentlicht, die sich mit einzelnen Ländersituationen oder spezifischen Themen und Formen der Sklaverei im 21. Jahrhundert beschäftigen. Zudem hat sie in zahlreichen Stellungnahmen und Artikeln auf das Thema aufmerksam gemacht. Ihre jüngsten Berichte sind ein thematischer Bericht über Zwangsehen (A/HRC/21/41) sowie über eine Ländermission nach Libanon (A/HRC/21/41/Add.1)