Was ist Menschenhandel?

„Menschenhandel“ bezeichnet „die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat zum Zweck der Ausbeutung.“ Lesen Sie hier weitere Erläuterungen zu dieser Definition --> weiter

Sklaverei - früher und heute

Das Bild zeigt Fesseln
UN Photo/Marc Garten

Viele Menschen leiten das Bild von Sklaverei historisch her und die Begriffe Sklaven und Sklavenhalter wirken auf sie schon antiquiert. Geprägt von den Geschichten des transatlantischen Sklavenhandels, die untrennbar mit der Vorstellung davon verknüpft werden, was unter Sklaverei verstanden wird, sind viele heute davon überzeugt, dass es keine Sklaverei mehr gibt. Richtig ist, dass Sklaverei und Menschenhandel inzwischen international verboten sind und das Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit ist eines der absoluten Menschenrechte. Somit kann es heute – im Gegensatz zu den historischen Formen der Sklaverei – auch keine Personen mehr geben, die „rechtmäßig“ verkauft und „besessen“ werden können. Zentral für alle Formen der Sklaverei ist jedoch nicht der Besitz von Personen, sondern die Art, wie Menschen beherrscht werden.Der Begriff der Sklaverei umfasst heute eine Vielzahl an Ausbeutungsverhältnissen. Darunter die Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, aber auch Fälle von Kinderarbeit, Zwangsheirat und die sogenannte Schuldknechtschaft.

Da Sklaverei und Menschenhandel inzwischen international verboten sind, finden sie meist im Verborgenen statt. Niemand weiß genau, wie viele Menschen heute weltweit in modernen Formen von Sklaverei ausgebeutet werden. Die internationale Arbeitsorganisation gibt an, dass ihren Schätzungen nach ca. 21 Millionen Menschen in modernen Formen der Sklaverei u. a. als Zwangsprostituierte, als Minenarbeiter, im Bergbau, der Landwirtschaft, in Fabriken oder Privathaushalten ausgebeutet werden. Menschen, die in Schuldknechtschaft leben oder Kinder, die in Sklaverei ähnlichen Situationen ausgebeutet werden, sind in dieser Schätzung noch nicht enthalten.

Es gibt mehrere Unterschiede zwischen dem, was wir aus den Geschichtsbüchern über Sklaverei kennen, und den modernen Formen von Sklaverei, Menschenhandel und Zwangsarbeit wie sie heute vorkommen, doch die zentralen Charakteristika – die Beherrschung von Personen und die Anwendung von Gewalt und/oder Betrug zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung – sind auch heute noch dieselben.

News zu Moderne Sklaverei und Zwangsarbeit

Statue des unbekannten Sklaven auf Haiti
"Le Negre Marron" (The Black Maroon), Port-au-Prince, Haiti, 1970 Image Reference, NW0229, as shown on www.slaveryimages.org. © Jerome Handler
  • AUSG: nachhaltige-entwicklung

    Menschen sind keine Ware

    Das Bild zeigt das Logo des Tages: Das blaue Herz und den englischen Schriftzug World Day against Trafficking in Persons 30 July

    Jahr für Jahr werden Milliarden Dollar mit der gezielten Ausbeutung von Menschen verdient. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt befinden sich Schätzungen zufolge 2,5 Millionen Menschen in der Hand von Menschenhändlern und werden zu Opfern von Ausbeutungsverhältnissen, die in vielen Fällen modernen Formen der Sklaverei gleichkommen. Der im Jahr 2013 ins Leben gerufene Tag gegen Menschenhandel soll auf die Situation der Opfer aufmerksam machen und zum Schutz ihrer Rechte beitragen.

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  • nachhaltige-entwicklung.de

    Moderne Sklaverei in Haushalten beenden

    Zum Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei ruft die UN ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, moderne Formen von Sklaverei zu bekämpfen

    Mit dem Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei am 2. Dezember rufen die UN dazu auf, sich für die Rechte von Millionen Menschen weltweit einzusetzen, die in modernen Formen der Sklaverei ausgebeutet werden. Eine dieser Formen ist die Ausbeutung von Hausangestellten, die dem Missbrauch in privaten Haushalten in vielen Ländern schutzlos ausgeliefert sind.

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  • Menschenrechte aktuell

    Moderne Form von Sklaverei im mittleren Osten

    Man sieht die Skyline von Katar Hauptstadt Doha mit vielen riesigen Hochhäusern und davor Kränen

    Berichte der Tageszeitung The Guardian und der Internationalen Arbeitsorganisation (eng. International Labour Organisation, ILO) enthüllen schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in der Vorbereitungsphase der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar - Sie verweisen außerdem auf die gravierend schlechte Situation von Wanderarbeitern im gesamten mittleren Osten.

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  • Weitere Nachrichten im Archiv

Übereinkommen betreffend die Sklaverei von 1926 und sein Protokoll 1953

Das Übereinkommen betreffend die Sklaverei von 1926, das am 25. September 1926 vom Völkerbund vorgelegt wurde, stellt das erste internationale Abkommen zur Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels dar. Zwar hatte es auch im 19. Jhd. bereits Versuche gegeben insbesondere den Sklavenhandel – noch nicht die Sklaverei selbst – abzuschaffen, jedoch waren diese Abkommen mehrheitlich bilateral oder regional durch die Groß- bzw. Imperialmächte geschlossen worden. Die Konvention bezieht sich auf die Kongoakte von 1885, der Vertrag von Brüssel 1890 sowie die Konvention von St.-Germain-en-Laye, und "sucht sie [zu] vervollständigen". Mit der Verabschiedung des Übereinkommens betreffend die Sklaverei, verpflichten sich die Vertragsstaaten, „Sklavenhandel zu verhindern und zu unterdrücken“  und auf die Abschaffung der Sklaverei in all ihren Formen hinzuwirken.

Das Protokoll aus dem Jahre 1953 zur Änderung des am 25.September 1926 in Genf unterzeichneten Übereinkommens über die Sklaverei dient der Übertragung des Übereinkommens über die Sklaverei vom Völkerbund auf die Vereinten Nationen.

Seitdem die organisationsbezogenen Vertragsänderungen in Kraft getreten sind, wird das Übereinkommen unter folgender Bezeichnung geführt: Übereinkommen vom 25.September 1926 über die Sklaverei in der Fassung des Protokolls vom 7.12.1953.

Verbot von Sklaverei

„Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten“ (Art. 4, AEMR)

Im vergangenen Jahrhundert sind mehrer Konventionen und Übereinkommen durch den Völkerbund, die UN und Sonderorganisationen verabschiedet worden, die Menschen vor Sklaverei und Zwangsarbeit schützen sollen und die rechtlich verbindlich sind. Das Verbot von Sklaverei gehört heute zu den absoluten Menschenrechten.

Zusatzübereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei (1957)

Das Zusatzübereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und sklavereiähnlicher Einrichtungen und Praktiken trat am 30. April 1957 in Kraft. Es dient insbesondere der Erweiterung der Definition von Sklaverei. So wird im Abkommen festgelegt, dass auch Einrichtungen wie Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft oder der Verkauf von Frauen oder Kindern unter die Bezeichnung der Sklaverei fallen und als solche verboten sind. Ferner ist darin festgelegt, dass ein Vertragsstaat, sofern er derartige Praktiken noch nicht hat beseitigen können, jede Versklavung einer Person sowie deren körperliche Kennzeichnung als Sklave zu bestrafen hat.

End Slavery Now - poster. Im Hintergrund sind viele Schwarz Weiss Portraits abgebildet
(c) ILO

Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit von 1930

ILO-Konvention 29

Das Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit (28. Juni 1930) wurde von der Internationalen Arbeitsorganisation vorgelegt. Darin verpflichten sich die Mitgliedstaaten dazu, den Gebrauch von  Zwangs- oder Pflichtarbeit in allen ihren Formen möglichst bald zu beseitigen. Artikel 2 Abs. 1 des Übereinkommens definiert Zwangsarbeit als „jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.“ Nicht darunter fallen jedoch laut Art. 2, Abs. 2 jede Arbeit der Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt  - wie Umweltkatastrophen etc. und Arbeiten bzw. Dienstleistungen, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dienen.

Übereinkommen über die Abschaffung der Zwangsarbeit

Das Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation über die Abschaffung der Zwangsarbeit, auch als ILO Konvention 105 bekannt, wurde am 25. Juni 1957 von der Allgemeinen Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation angenommen, trat am 17. Januar 1959 in Kraft und wurde bis heute (Dezember 2013) von 174 Staaten ratifiziert. Das Übereinkommen knüpft an bestehende internationale Abkommen zur Beseitigung von Sklaverei (1926 und 1956) und Zwangsarbeit (1930) sowie an das Übereinkommen über den Lohnschutz (1949) an. Die Mitgliedstaaten verpflichten sich in Art. 1 des Übereinkommens dazu, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu beseitigen und in keiner Form zu verwenden. Dazu gehören Zwangsarbeit als Mittel politischen Zwanges oder politischer Erziehung oder als Strafe gegenüber politischen oder ideologischen Gegnern; als Methode der Rekrutierung und Verwendung von Arbeitskräften zur wirtschaftlichen Entwicklung; als Maßnahme der Arbeitsdisziplin; als Strafe für die Teilnahme an Streiks; als Maßnahme rassischer, sozialer, nationaler oder religiöser Diskriminierung.

Übereinkommen zur Bekämpfung transnationaler Kriminalität

Am 15. Dezember 2000 legte die UN-Generalversammlung das Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität vor, das durch drei Zusatzprotokolle ergänzt wird. Eines davon, das Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, in dem Menschenhandel definiert und kriminalisiert wird und in dem explizit der Schutz der Opfer von den Mitgliedstaaten eingefordert wird, gilt als Meilenstein im Schutz vor Menschenhandel. Lesen Sie hier mehr -- > weiter