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Moderne Sklaverei in Haushalten beenden

Zum Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei ruft die UN ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, moderne Formen von Sklaverei zu bekämpfen

Zum Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei ruft die UN ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, moderne Formen von Sklaverei zu bekämpfen (c) ILO

Der 2. Dezember erinnert als Internationaler Tag für die Abschaffung der Sklaverei an den Tag, an dem die Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer im Jahr 1949 von der UN-Generalversammlung angenommen wurde. Der Begriff Sklaverei umfasst heute neben der Vorstellung von Mensch als Besitz zusätzlich viele weitere Ausbeutungsverhältnisse und Menschenrechtsverletzungen. Der Name der Konvention hebt zwei davon hervor: Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Aber auch schwere Fälle von Kinderarbeit, Zwangsheirat, Zwangsarbeit und sogenannte Schuldknechtschaft sind moderne Formen von Sklaverei. Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge sind weltweit etwa 21 Millionen Menschen versklavt. Der 2013 erstmalig erschienene „Global Slavery Indexder Walk Free Fundation geht sogar von fast 30 Millionen Menschen aus.

Missbrauch und Gewalt gegenüber Hausangestellten

Eine Form der Ausbeutung stellt die Ausbeutung in privaten Haushalten dar. Weltweit sind ca. 53 Millionen Menschen als Hausangestellte beschäftigt. Hinzu kommen noch ca. 8 Millionen Kinder unter 15 Jahre. Die überwältigende Mehrheit dieser Hausangestellten sind Frauen und Mädchen. Wie viele davon unter Bedingungen arbeiten, die modernen Formen der Sklaverei entsprechen lässt sich aufgrund der Arbeit in privaten Haushalten, abgeschirmt von öffentlicher Kontrolle und außerhalb geltenden Arbeitsrechts unmöglich feststellen. Viele arbeiten ohne eindeutige, vertraglich festgelegte Anstellungsbedingungen, was Arbeitszeiten, Aufgabengebiete und Gehalt betrifft. In manchen Ländern müssen sie nicht mal bei den Behörden als Teil der Hausgemeinschaft registriert sein, wenn sie in ihrem Arbeitshaushalt auch wohnen. Ihre gesellschaftliche Stellung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass ihre Arbeit auch im öffentlichen Diskurs oft völlig unterbewertet wird und Beschwerden über unzumutbare Arbeitsbedingungen deshalb leichtfertig abgewiesen werden. Unter diesen Bedingungen sind die Frauen und Mädchen besonders angreifbar für schweren Missbrauch, der in verschiedenen Formen auftritt. So verbieten Arbeitgeber_innen ihren Hausangestellten, das Haus zu verlassen, halten ihre Löhne zurück oder entlohnen sie überhaupt nicht, drohen mit oder gebrauchen ihnen gegenüber Gewalt und täuschen sie in Bezug auf ihre Rechte, um sie zu schwerer Arbeit zu nötigen.

Ausbeutung von Arbeitsmigrantinnen

Die erste Sonderberichterstatterin über moderne Formen der Sklaverei, einschließlich ihrer Ursachen und Folgen berichtet beim Menschenrechtsrat am Podium über die sklavenartigen Bedingungen unter denen viele Hausangestellte arbeiten müssen
Die erste Sonderberichterstatterin über moderne Formen der Sklaverei, einschließlich ihrer Ursachen und Folgen berichtet über die sklavenartigen Bedingungen unter denen viele Hausangestellte arbeiten müssen

Insbesondere im Bereich von Arbeitsmigration kommt es vor, dass Pässe oder andere Ausweisdokumente der Hausangestellten eingezogen und nicht mehr herausgegeben werden und ihre Freiheit dadurch massiv eingeschränkt wird. Gerade wenn die Frauen in ihrem Arbeitshaushalt auch leben, besteht die Gefahr, dass ihre Kontaktmöglichkeiten zu Familien und Freund_innen sogar komplett unterbunden werden. Gleichzeitig entsteht dadurch eine hohe Abhängigkeit der Angestellten zu ihren jeweiligen Arbeitgeber_innen. Diese Abhängigkeit manifestiert sich nicht nur in gesetzlichen Faktoren, wie die Bindung eines Aufenthaltsvisums an eine Bürgschaft der Arbeitgebenden, sondern auch in sozialer, kultureller und ökonomischer Hinsicht, wenn Angestellte beispielsweise die Landessprache nicht ausreichend beherrschen, medizinische Hilfe benötigen oder auf die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Wasser angewiesen sind.

Ein weiterer Weg in häusliche Sklaverei zu gelangen, ist die Schuldknechtschaft. Sie kommt zustande, wenn Hausangestellte durch die Rekrutierung einer Agentur Vermittlungsgebühren zahlen oder Kosten für Flugtickets rückerstatten sollen. Die Höhe dieser Schulden wird zumeist willkürlich festgelegt. In diesen Fällen wird von ihnen erwartet, die vermeintlichen Schulden abzuarbeiten. Aufgrund der weit verbreiteten extremen Niedriglöhne im Bereich der Hausarbeit, sind die Angestellten somit für eine lange Zeit an einen bestimmten Haushalt gebunden. Sie sind erst dann wieder frei, wenn ihre Arbeitgebenden befinden, dass die Schulden beglichen wurden oder sie durch andere Hausangestellte ersetzen.

Rechtliche Bestimmungen zum Schutz von Hausangestellten

Mit ihrer Arbeitskraft leisten Hausangestellte einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen und sozialen Entwicklung in ihren Arbeitsländern. Nach Angaben der Sonderberichterstatterin über moderne Formen der Sklaverei stellen sie 4-10% der Arbeitskraft in Ländern des globalen Nordens und etwa 2% in Ländern des globalen Südens. Trotzdem gibt es für ihre Arbeit in 40% der Länder weltweit keine nationale Form von Regulierungen. Auf internationaler Ebene trat im September 2013 die Konvention 189 der ILO zu den Rechten von Hausangestellten in Kraft. Diese bekräftigt und stärkt die Menschenrechte, besonders die Arbeitsrechte der Menschen, die in privaten Haushalten arbeiten. Sie wurde bisher von zehn Staaten, darunter Deutschland, ratifiziert.

Frauen feiern die Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisation zum Schutz der Rechte von Hausangestellten
Frauen feiern die Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisation zum Schutz der Rechte von Hausangestellten (c) ILO

Um die rechtliche Notwendigkeit einer solchen Konvention zu unterstreichen, braucht es nicht den Blick in Länder wie Saudi-Arabien, deren Umgang mit Hausangestellten regelmäßig von Menschenrechtsorganisationen thematisiert wird. Auch in Deutschland gibt es Hausangestellte die unter Sklaverei ähnlichen Bedingungen ausgebeutet werden. Das Deutsche Institut für Menschenrechte veröffentlichte erst 2011 einen umfassenden Bericht über Hausangestellte, die in Diplomatenhaushalten tätig sind. Die zumeist philippinischen Frauen reisen mit den Diplomatenfamilien ein. Ihre Visa sind an die Weiterbeschäftigung durch den oder die Diplomat_in gebunden. Selbstverständlich kommt es nicht in allen Fällen zu Missbrauch. Kommt es jedoch zu einem Fall von Ausbeutung, haben die Dienstmädchen nicht die Freiheit, den Haushalt zu wechseln ohne damit ihre Aufenthaltsgenehmigung zu riskieren. Besondere Bedeutung bei der Aufklärung von Missbrauch von Hausangestellten in Diplomatenhaushalten kommt dabei der diplomatischen Immunität zu. Durch diese und andere Privilegien sind Diplomat_innen vor der Durchsetzung nationalen Rechts geschützt und gegen Strafverfahren immun. Eine Tatsache, der deutsche Behörden bisher zumeist mit Tatenlosigkeit gegenüberstehen.

Opfer von Sklaverei im Haushalt werden wirtschaftlich ausgebeutet, sind abhängig von anderen Menschen und nicht in der Lage, diese Beziehung aus eigenem Antrieb und nach eigenem Willen zu beenden. Wie viele andere Formen moderner Sklaverei findet diese Ausbeutung im Verborgenen, in einer Schattenwirtschaft statt, die eine Aufdeckung, Bestrafung oder gar Abschaffung dieser Praktiken sehr schwierig macht. Der Internationale Tag für die Abschaffung der Sklaverei kann als ein Mahnmal verstanden werden, auf eine umfassende Ratifizierung der Konventionen, die gegen moderne Formen von Sklaverei verabschiedet wurden hinzuwirken und weiterhin Druck auf die Länder auszuüben, deren Rechtslagen Sklaverei begünstigen.

 

Claudia Jach


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