Menschenrechte aktuell Sklaverei/Zwangsarbeit

Menschen sind keine Ware

Auf die Situation der Opfer aufmerksam zu machen, das ist das Ziel des Internationalen Tages gegen Menschenhandel, der erst im Dezember 2013 von der UN-Generalversammlung (Resolution A/RES/68/192) etabliert wurde und diese Jahr zum ersten Mal begangen wird. Da sich Menschenhandel im Verborgenen abspielt, lässt er sich nur schwer dokumentieren oder in seinem ganzen Ausmaß einschätzen. Dabei ist praktisch jedes Land der Welt von Menschenhandel betroffen: als Herkunftsland, Transitland oder Zielland, einige Länder gehören auch mehreren der drei Kategorien an.

Menschenhandel ist eine sehr schwere Menschenrechtsverletzung. Definiert wird er als die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen, die  durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder andere Formen der Nötigung in diese Situation gebracht werden. Darunter fallen auch Mittel wie Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder die Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit. Das Ziel von Menschenhandel ist die Ausbeutung der Opfer. „Ausbeutung“ umfasst dabei per Definition mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder der Sklaverei ähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen. Dabei ist auch unerheblich, wenn das Opfer zunächst eine Einwilligung dazu gegen hat, seinen Menschenhändlern zu folgen, wenn unlautere Mittel – wie sie in der Definition festgelegt sind – angewendet wurden.

Die Vereinten Nationen haben seit der Jahrtausendwende viel getan, um gegen Menschenhandel vorzugehen. Im Jahr 2000 wurde nach mehrjährigen Verhandlungen das Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität vorgelegt dessen drittes Zusatzprotokoll als Meilenstein im Kampf gegen Menschenhandel gefeiert wurde. Es definiert Menschenhandel erstmalig, kriminalisiert ihn und fordert umfassende Maßnahmen zum Schutz der Opfer von Menschenhandel von den Mitgliedstaaten ein. Zehn Jahre später, im Jahr 2010, verabschiedete die Generalversammlung einen Weltaktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels, der unter anderem die Einrichtung des Freiwilligen Treuhandfonds der Vereinten Nationen für Opfer des Menschenhandels, insbesondere von Frauen und Kindern, vorsieht. Im Jahr 2013 folgte dann eine Tagung der Generalversammlung auf hoher Ebene über die Bewertung des Weltaktionsplans der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des Menschenhandels. In diesem Kontext wurde auch der Internationale Tag gegen Menschenhandel ins Leben gerufen.

Auch viele weitere Sonderorganisationen, wie die ILO, und mehrere UN-Institutionen engagieren sich im Kampf gegen Menschenhandel: Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (engl.: United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) hilft Staaten im Kampf gegen Menschenhandel und legt dabei den Fokus auf die Komponente der Strafjustiz, während der Menschenrechtsrat sich um menschenrechtliche Aspekte kümmert und dazu u.a. im Jahr 2004 eine Sonderberichterstatterin für die Menschenrechte der Opfer des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels ernannt hat.

Zudem versucht das UNODC mit einer weltweiten Kampagne der „Aktion Blaues Herz gegen Menschenhandel“ über Menschenhandel aufzuklären. Ähnlich wie die rote Aids-Schleife soll das Blaue Herz als Symbol für den Kampf gegen Menschenhandel sowie als Zeichen der Solidarität mit den Opfern etabliert werden.

Inwieweit diese Maßnahmen Wirkung zeigen, lässt sich aufgrund der hohen Dunkelziffer nur schwer feststellen. Dennoch – oder auch genau deshalb -  ist es zentral, diese schwere Form von Menschenrechtsverletzungen zu beleuchten, darüber aufzuklären, die Opfer zu unterstützen, ihre Rechte einzufordern und sie zu stärken. Auch dazu kann der Internationale Tag gegen Menschenhandel dienen.

 

Lena Jöst/Alexia Knappmann

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