Menschenrechte aktuell

Internationaler Tag der älteren Menschen: Städtische Inklusion und menschenrechtliche Umsetzung

Kampagne zum Internationalen Tga für ältere Menschen, alte Frau ist auf dem Bild zu sehen

Die offizielle Kampagne der UN zum Internationalen Tag der älteren Menschen wirbt für ihre aktive Einbeziehung im gesellschaftlichen Leben. © ECOSOC/ DESA

Seit 1990 begehen die UN den 1. Oktober als „Internationalen Tag der älteren Menschen“. Der 25. Jahrestag wird dieses Jahr unter dem Motto „Nachhaltigkeit und Inklusion im Alter in der Stadt“ beworben.  Damit wird der Fokus besonders auf die Errungenschaften einer modernen Stadt gelenkt, die älteren Menschen die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll. Dass die Stadt nicht zum Selbstzweck und zur Universallösung wird, dürfte auf der Hand liegen. Auch in der Stadt muss die Infrastruktur geschaffen werden, um den Bedürfnissen Älterer gerecht zu werden. Dies umfasst Verkehrsmittel, Gesundheitsversorgung und auch den Zugang zu Beschäftigungs-, Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten. Das Bedürfnis nach altersgerechter Versorgung wird nicht nur in Deutschland, wo die Zahl der über 65-jährigen im Jahr 2050 voraussichtlich doppelt so hoch sein wird wie die der unter 20-jährigen, stetig wachsen.  Auch global ist dieser Trend zu verzeichnen. Schon jetzt sind ca. 760 Millionen Menschen der weltweiten Bevölkerung  über 60 Jahre alt.  

ältere Frau mit Blumenkörben
Das Verständnis, die Lebensumstände und die Definition von älteren Menschen unterscheiden sich zum Teil erheblich in Ländern des globalen Südens und Nordens. © UN Photo/ Andrea Brizzi

Wer zählt zu den älteren Menschen?

Dabei steht nicht einmal universell fest, ab wann ein Mensch zu den älteren gezählt wird. Die auch in Deutschland häufig vertretene Definition von 65 Jahren  als Markierung ist ein westliches Konzept, das sich an Rentenleistungen orientiert und dementsprechend nur in den Ländern zum Tragen kommen kann, in denen es eine staatliche Rentenversorgung gibt. Andere Indikatoren, die zur Bestimmung älterer Menschen herangezogen werden können, sind der Wandel in einer sozialen Rolle beispielsweise durch den Eintritt von Kindern in das Erwerbsleben oder eine Änderung in den eigenen Fertigkeiten, die durch Unfälle oder auch Krankheiten hervorgerufen werden können. Die UN verwenden noch keine einheitliche Definition, haben sich aber entschieden, den Schnitt mehr oder weniger zufällig bei 60 Jahren zu setzen – in dem Wissen, dass biologisches und Kalenderalter nicht zwangsläufig übereinstimmen müssen. 

Die Expertin für Menschenrechte von älteren Menschen, Rosa Kornfeld
Die erste Unabhängige Expertin für die Menschenrechte von älteren Personen ist Rosa Kornfeld-Matte, die schon in Chile die nationale Alterspolitik geschaffen und implementiert hat. © OHCHR

Menschenrechtliche Instrumente für Ältere

Während das Bewusstsein über die tragende Rolle älterer Menschen schon längere Zeit zu bestehen scheint, wie ihre Einbeziehung in die allgemeingültigen menschenrechtlichen Instrumente  wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zeigt, wurde der erste internationale Mechanismus nur für die Rechte älterer Menschen erst 2013 neu geschaffen. Seitdem gibt es eine Unabhängige Expertin für die Menschenrechte von älteren Personen, deren Mandat seit 2014 von Rosa Kornfeld-Matte ausgefüllt wird. Drei Dokumente nehmen in dem Zusammenhang der Menschenrechte älterer Personen zudem eine besondere Rolle ein: Der Wiener Internationale Aktionsplan zur Frage des Alterns aus dem Jahr 1982, die Grundsätze der Vereinten Nationen für ältere Menschen aus dem Jahr 1991 sowie der Internationale Aktionsplan von Madrid über das Altern aus dem Jahr 2002.  

Aktionsplan von Madrid

Der Aktionsplan von Madrid hat in diesem Kanon eine besondere Stellung inne, da mit ihm erstmals vereinbart wurde, Fragen des Alterns mit anderen Rahmenbedingungen wie sozialer und ökonomischer Entwicklung zu verbinden. Im Fokus des Berichts sind ältere Menschen und Entwicklung, die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bis ins hohe Alter und die Sicherstellung unterstützender Netzwerke und Umgebungen für Ältere. Die duale Strategie von Empowerment älterer Menschen (Art. 12) und der Solidarität zwischen Generationen und gegenseitig zugänglicher Beziehungen zwischen Generationen (Art. 16) bilden ein weiteres Kernstück der Vereinbarung. 

Wenig konkrete Weiterentwicklung

Um die Rechte älterer Menschen weiterhin zu stärken und ihre rechtliche Verankerung in Rahmen der UN-Instrumente zu überprüfen wurde 2010 von der Generalversammlung die Offene Arbeitsgruppe zu Fragen des Alterns ins Leben gerufen.  Konkrete Ergebnisse der Arbeitsgruppe liegen noch nicht vor. Auch der Internationale Tag der älteren Menschen erfährt vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Rosa Kornfeld-Matte rufen in ihren Statements beide dazu auf, umzudenken und den Beitrag Älterer für die Gesellschaft anzuerkennen und mit ihrer Einbeziehung in städtisches Leben darauf zu reagieren.  

Claudia Jach

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